Gründungserklärung

Aktionsbündnis Teilhabeforschung – für ein neues Forschungsprogramm zu Lebenslagen und Partizipation von Menschen mit Behinderungen

Kurzfassung der Gründungserklärung (Stand 4. Februar 2015)

Vorbereitungsgruppe: Markus Schäfers, Anne Waldschmidt, Sigrid Arnade, Holger Borner, Rolf Buschmann-Steinhage, Katrin Grüber, Thorsten Hinz, Swantje Köbsell, Bernhard Schmalenbach, Claudia Tietz, Karl Wegscheider

Ausgangssituation – Gegenstand – Anliegen

„Teilhabe“ ist in vielen Politik- und Praxisfeldern zu einem zentralen Leitbegriff geworden. Unter dieser Ziel- und Handlungsorientierung geht es um das Recht aller Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Merkmalen oder der Herkunft in der Gemeinschaft gleichberechtigt mit anderen zu leben und in der Gesellschaft mitzubestimmen.

In der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (BRK) ist die „volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft“ („full and effective participation and inclusion in society“; Art. 3c UNCRPD) ein zentraler Grundsatz. Deutschland hat sich mit der rechtsverbindlichen Unterzeichnung der BRK dazu verpflichtet, alle Maßnahmen und Politiken auf die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auszurichten.

Vor diesem Hintergrund ist die Neuorientierung und Neugestaltung der deutsch-sprachigen Forschungslandschaft über die Lebenslagen behinderter Menschen dringend notwendig. Dieser Herausforderung stellt sich das Aktionsbündnis Teilhabeforschung. Ziel ist, die deutschsprachige Forschungslandschaft über die Lebenslagen behinderter und chronisch erkrankter Menschen grundlegend und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und auszubauen. Das Aktionsbündnis lädt die vorhandenen Disziplinen ein, Forschungsfragestellungen, Forschungsansätze und Forschungsdesigns mit Hilfe der Leitgedanken Teilhabe und Partizipation neu auszurichten.

Was meint „Teilhabeforschung“?

Teilhabeforschung, die Behinderung als Lebenslage und Zuschreibung in den Fokus nimmt, trägt insbesondere den gesellschaftlichen Einflussfaktoren bei der Entstehung von Behinderung, dem Leben mit Beeinträchtigungen und den Reaktionsweisen in Gesellschaft und Kultur Rechnung. Teilhabeforschung begreift Behinderung nicht als persönliches Schicksal, sondern als Situation bzw. soziales Ereignis, als Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Umweltbedingungen und Beeinträchtigungen.
Mit Teilhabe als Querschnittsthema weitet sich das Blickfeld auf die Bedingungen, Ressourcen und Möglichkeiten für das barrierefreie und vielfältige Eingebunden- Sein in gesellschaftliche und kulturelle Lebensbereiche und Funktionssysteme. Teilhabeforschung untersucht, wie Personen in den verschiedenen gesellschaftlichen Teilsystemen einbezogen werden, wie soziale Mechanismen des Ein- und Ausschließens wirken und welche Aktivitäten und Bedingungen die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen fördern oder erschweren.

Teilhabeforschung – Ansätze und Methoden

Gemeinsamer Fokus des Aktionsbündnisses ist die konzeptionelle Ausrichtung an der UN-Behindertenrechtskonvention. Gleichzeitig ist Teilhabeforschung auch pluralistisch orientiert und umfasst die unterschiedlichsten Fächer, Disziplinen und Forschungsfelder.

Dementsprechend kommt ein breites Spektrum von Forschungsmethoden in Betracht, sowohl quantitative als auch qualitative Ansätze, die – abhängig vom Forschungs-design – Berechtigung haben. Von besonderer Bedeutung sind partizipative Forschungsmethoden. Teilhabeforschung beachtet Barrierefreiheit und bezieht Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen möglichst in allen Arbeitsphasen mit ein.

Das wichtigste Ziel von Teilhabeforschung ist es, Transformationsprozesse in Hinblick auf eine inklusive Gesellschaft zu initiieren. In diesem Sinne ist Teilhabeforschung praxis-relevant und anwendungsorientiert.


Ziele eines Aktionsbündnisses Teilhabeforschung

Das Aktionsbündnis versteht sich als gemeinsames Dach, unter dem verschiedene Akteure (Personen, Zusammenschlüsse und Organisationen) mit unterschiedlichen Zugängen zur Teilhabeforschung Platz finden.
Ziele des Aktionsbündnisses sind:

  • Bündelung, Integration und Vernetzung von teilhabeorientierten Forschungsaktivitäten
  • Vernetzung beteiligter ForscherInnen
  • Bewusstseinsbildung bei Fachöffentlichkeit, MultiplikatorInnen und EntscheidungsträgerInnen
  • Profilierung einer neuen Querschnittsdisziplin der Teilhabeforschung
  • Formulierung von prioritärem, zukunftsorientiertem und innovativem Forschungsbedarf
  • Aufbau und Vernetzung von Nachwuchsförderung
  • Ansprache von Forschungsförderern, Stimulation von Forschungsförderung
  • Initiierung eines bundesweiten Forschungsförderprogramms „Teilhabeforschung“

Die Mitwirkenden eint das Ziel, eine Teilhabeforschung mit dem Schwerpunkt „Behinderung“ in Deutschland zu entwickeln, zu stärken und zu profilieren. Deshalb rufen wir auf zu einem Aktionsbündnis Teilhabeforschung.

ErstunterzeichnerInnen