Beitrag im horus von Prof. Dr. Henning Daßler

Das Aktionsbündnis Teilhabeforschung

Hintergrund: Das aktuelle Verständnis von Teilhabe und Behinderung

Das Verständnis von Behinderung hat in den vergangenen 20 Jahren eine wesentliche Wandlung erfahren. Diese findet ihren Niederschlag in der Sozialgesetzgebung, in den Konzepten und Arbeitsmodellen der Rehabilitation und Behindertenhilfe und in den Publikationen und Forschungsaktivitäten der wissenschaftlichen Disziplinen in diesem Bereich.

Diese Entwicklung findet ihren sprachlichen Ausdruck im Begriff der „Teilhabe“, der seit der Jahrtausendwende mit der Aufnahme in das SGB IX das Behindertenrecht maßgeblich prägt und mittlerweile als „Leitgedanke des deutschen Rehabilitationsrechts“ bezeichnet werden kann (Brütt u.a. 2016). Diese Entwicklung wurde mit dem aktuellen Bundesteilhabegesetz noch einmal verstärkt, welches explizit das Ziel einer „vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft“ für Menschen mit Beeinträchtigungen formuliert und damit der Formulierung in den Artikeln 1 und 3 der UN-Behindertenrechtskonvention Rechnung trägt.

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FRIEDRICHSHAINER KOLLOQUIUM 2018 - TEILHABEFORSCHUNG MEETS PRAXIS - DIENSTAG, 18.09.2018, 16 UHR BIS 19 UHR

Collage: Das Logo des IMEW und der FDST auf hellblauem Hintergrund, durch den eine hand scheint, die eine andere Hand neben einem Rollstuhlreifen nimmt; als Überschrift ist "Friedrichshainer Kollquium 2018" zu lesen, darunter das Motto "Teilhabeforschung meets Praxis"

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

ich freue mich, Sie zu der 3. Veranstaltung des Jahres im Rahmen des
Friedrichshainer Kolloquiums einzuladen. Das Kolloquium wird in
Kooperation mit der Fürst Donnersmarck-Stiftung und dem Aktionsbündnis
Teilhabeforschung veranstaltet.

Das dritte Kolloquium findet am Dienstag, den 18. September 2018 in der
Zeit zwischen 16 Uhr und 19 Uhr in den Räumen der Villa Donnersmarck in
Zehlendorf statt. An diesem Nachmittag geht es um das Thema
„Partizipation in Forschung und Praxis“.

Dieter Wiek & Jürgen Clausen vom Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
stellen im ersten Vortrag die entwickelten Trainingskurse für
Rheumapatienten vor. Ziel des Projekts war es u. a., durch einen
Trainingskurs Rheumapatienten auf die vielfältigen Aufgaben in
Forschungsprojekten vorzubereiten und partizipative Forschung zu fördern.
Jana Bauer, Susanne Groth & Mathilde Niehaus (Lehrstuhl für Arbeit und
berufliche Rehabilitation, Universität zu Köln) thematisieren im zweiten
Vortrag das Projekt PROMI – Promotion inklusive, das den Anstoß für
einen Wandel zu inklusiven Hochschulen und einer inklusiven Wissenschaft
geben soll. Bestehende Barrieren verhindern auch die chancengerechte
berufliche Teilhabe von Akademiker*innen mit Behinderungen. Im dritten
Vortrag von Ute Kahle, GiBB gGmbH Berlin, geht es um die Teilhabe und
Partizipation im Kontext inklusiver Weiterbildung. Am Beispiel von
inklusiven Seminaren, die im ersten Halbjahr 2018 im Tandem von zwei
Dozenten mit und ohne Handicap für Seminarteilnehmer mit und ohne
Handicap durchgeführt wurden, werden praktische Erfahrungen mit diesen
Formaten präsentiert und reflektiert.

Im Rahmen der Kolloquien werden zu einem Thema mehrere Vorträge aus
unterschiedlichen Disziplinen gehalten und ausführlich mit Ihnen
diskutiert. Auf diese Weise befördert das IMEW den Dialog zwischen den
Disziplinen und stärkt dabei insbesondere die Perspektive Behinderung.
Das Friedrichshainer Kolloquium wendet sich an Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, an Studierende und an Interessierte. Die Teilnahme ist
kostenfrei.

Wir bitten um telefonische oder elektronische Anmeldung bis zum 4.
September 2018. Bitte melden Sie auch, wenn Sie Unterstützungsbedarf
haben. Weitere Informationen zur Anmeldung und zu den Vorträgen finden
Sie in diesem Newsletter weiter unten.

Ich freue mich auf Ihr Kommen.

Mit freundlichen Grüßen
Katrin Grüber

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Dienstag, 18.09.2018, 16 bis 19 Uhr
Partizipation in Forschung und Praxis

Trainingskurs für Rheumapatienten
-Dieter Wiek & Jürgen Clausen, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.

Die Einbindung von Patientenvertretern hat seit einigen Jahren eine
zunehmende Bedeutung erfahren. Durch die Partizipation von Bürgern mit
Erfahrungswissen über ihre eigene Erkrankung wird die Bedeutung der
Forschungsprojekte erhöht und die Implementierung der
Forschungsergebnisse gefördert. Ziel des Projekts der Deutschen
Rheuma-Liga war es, durch einen Trainingskurs Rheumapatienten auf die
vielfältigen Aufgaben in Forschungs-projekten vorzubereiten. Hierbei war
es von großer Bedeutung, die diversen möglichen Betätigungsfelder
thematisch abzubilden, um die Kompetenzen und das Selbstvertrauen der
Patientenvertreter zu stärken. Ein weiteres Ziel war es, die Existenz
geschulter Patienten-vertreter zu kommunizieren, um Patientenvertreter bei
der Entwicklung und Durchführung von Forschungsprojekten und der
Dissemination der Forschungsergebnisse zu beteiligen und damit die
Verbreitung partizipativer Forschung zu fördern.

Der entwickelte interaktive Trainingskurs läuft über zwei Tage und
besteht aus den sieben Modulen. Jedes Modul besteht aus einem einleitenden
Teil, einem Aufgabenteil und einem Diskussionsteil. Seit Ende 2014 wurden
zwei Kurse durchgeführt. Die Kurse wurden ausschließlich als sehr gut
und gut bewertet. Bisher waren bzw. sind die geschulten Patientenvertreter
an 19 Projekten beteiligt. Diejenigen Patientenvertreter, die bereits
aktiv in Forschungsprojekte eingebunden waren, beschrieben die Tätigkeit
als interessant und bereichernd.

Die Deutsche Rheuma-Liga hat es zur Bedingung gemacht, dass in allen von
ihr geförderten Projekten Patientenvertreter als sogenannte
„Forschungspartner“ im Sinne des Konzepts der partizipativen Forschung
ihr Erfahrungswissen und ihre Kompetenzen einbringen.


Anstoß für einen Wandel zu inklusiven Hochschulen und einer inklusiven
Wissenschaft: Das Projekt PROMI – Promotion inklusive
•    Jana Bauer, Susanne Groth & Mathilde Niehaus (Lehrstuhl für Arbeit und

berufliche Rehabilitation, Universität zu Köln)

Zahlreiche Barrieren verhindern die chancengerechte berufliche Teilhabe
von Menschen mit Behinderungen (WHO, 2011). Eine Pilotstudie von Niehaus
und Bauer (2013) deutet darauf hin, dass dies auch auf Akademiker*innen
mit Behinderungen zutrifft – trotz ihres hohen Qualifikationsniveaus.
Eine berufliche Möglichkeit für Akademiker*innen besteht darin zu
promovieren. Bei der Promotion vereinen sich die Rollen der Hochschule als
Bildungseinrichtung und Arbeitgeberin. In beiden Funktionen sind
Hochschulen verpflichtet, die chancengerechte Teilhabe von Menschen mit
Behinderungen zu gewährleisten und aktiv zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund wurde – mit Förderung durch das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales – das bundesweite Projekt
PROMI – Promotion inklusive initiiert. In den Jahren 2013 bis 2016
wurden im Rahmen des PROMI-Projektes 45 zusätzliche halbe
Promotionsstellen für schwerbehinderte Hochschulabsolvent*innen an 21
Hochschulen in ganz Deutschland geschaffen. Die Projektleitung und
wissenschaftliche Begleitung liegen bei der Universität zu Köln. Dem
Ansatz der Aktionsforschung folgend sind in dem Projekt praktische
Umsetzung und Datenerhebung eng und wechselseitig miteinander verbunden.
So soll das Projekt nicht nur zur Schließung einer Forschungslücke
sondern auch zu nachhaltigen inklusionsorientierten Veränderungen
hinsichtlich relevanter Strukturen und Prozesse an den beteiligten
Hochschulen beitragen.

Prof. Dr. Mathilde Niehaus ist Inhaberin des Lehrstuhls für Arbeit und
berufliche Rehabilitation an der Universität zu Köln und forscht und
lehrt zu Fragen der beruflichen Teilhabe und Inklusion von Menschen mit
Behinderungen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen
Lebenslagen. Hierunter fällt auch die wissenschaftliche Begleitung und
Koordination des deutschlandweiten Projektes PROMI – Promotion
inklusive, das inhaltlich von Dipl. Psych. Jana Bauer –
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl – geleitet wird.


Teilhabe und Partizipation im Kontext inklusiver Weiterbildung
•    Ute Kahle, GIBB gGmbH


Teilhabe und Partizipation als Leitbegriffe einer allgemeinen
Zielbestimmung und Handlungsorientierung im Kontext von Behinderung
erfahren durch inklusive Weiterbildung eine besondere Konnotation. Mit
beiden Begriffen werden die Lebensbedingungen und Chancen von Menschen in
benachteiligten Lebenssituationen oder Lebenslangen und sozialer
Ungleichheit in den Blick genommen.
Am Beispiel von inklusiven Seminaren, die im ersten Halbjahr 2018 von der
GIBB im Tandem von zwei Dozenten mit und ohne Handicap für
Seminarteilnehmer mit und ohne Handicap zu den Themen „Neue
Werkstatträte nehmen ihre Arbeit auf“ und „Mitwirkung und
Mitbestimmung in der Werkstatt“ durchgeführt wurden, werden praktische
Erfahrungen mit diesen Formaten präsentiert und reflektiert. Besonders
wird auf die Chancen und Herausforderungen der Didaktisierung und
Methodenwahl für die Zielgruppen der Lernenden und Lehrendenebene im
Teamteaching fokussiert. Teilhabe und Partizipation zeigen sich hierbei
auf mehrdimensionalen Handlungsebenen der Seminarvorbereitung und
-durchführung. Aus den Erfahrungen werden allgemeine
Handlungsüberlegungen für die Konzeption inklusiver
Weiterbildungsformate abgeleitet.

Dr. Ute Kahle ist Dipl.-Kauffrau und Dipl.-Pädagogin und arbeitet als
Geschäftsführerin der Gesellschaft für Integration und Bildung in
Berlin mbH. Die GIBB gGmbH führt Lehrgänge, Seminare und
Inhouse-Seminare und -workshops für Fach- und Führungskräfte sowie
Menschen mit Handicap in der Behindertenhilfe und darüber hinaus in
Berlin, Brandenburg und deutschlandweit durch. Neben langjährigen
Leitungserfahrungen in Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie
Lehrerfahrungen forscht sie zu den institutionellen Veränderungen von
Einrichtungen und Organisationen vor dem Hintergrund von Inklusion mit dem
Fokus auf Management und Organisationsentwicklung.


Und hier die weiteren Termine und Themen für Sie im Überblick:

Dienstag, 13.11.2017, 16 bis 19 Uhr
Teilhabeforschung zwischen Politisierung und Unabhängigkeit

Was bedeutet wissenschaftliche Unabhängigkeit in der Teilhabeforschung?
•    Gudrun Wansing, Humboldt-Universität zu Berlin; Markus Schäfers,

Hochschule Fulda & Jörg M. Kastl, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg


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Kooperationspartner
IMEW
Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft
Warschauer Straße 58 A
10243 Berlin
Telefon: (0)30 / 29 38 17 - 70
Fax: (0)30 / 29 38 17 - 80
http://www.imew.de

Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin
Bereich Freizeit, Bildung, Beratung
Villa Donnersmarck
Schädestr. 9-13
14165 Berlin
Tel.: 030 – 847 187 0
Fax: 030 – 847 187 23
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.villadonnersmarck.de

Veranstaltungsort:
Villa Donnersmarck
Schädestr. 9-13
14165 Berlin

Kontakt:
Dr. Katrin Grüber
Telefon: 030-293817-70
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
http://www.imew.de

Anmeldung:
Villa Donnersmarck
Schädestr. 9-13
14165 Berlin

Tel.: 030 – 847 187 0
Fax: 030 – 847 187 23
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Wir bitten um telefonische oder elektronische Anmeldung bis 14 Tage vor
dem jeweiligen Termin. Bitte teilen Sie auch mit, wenn Sie
Unterstützungsbedarf haben.

 

Offner Brief an die Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP im Deutschen Bundestag

Untenstehend finden Sie den offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP im Deutschen Bundestag vom 9. Oktober 2017

Anhänge:
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